Mittwoch, 20. August 2014

13.08.2014 - Brief Garden, Sri Lanka

Heute haben wir ausgeschlafen und unseren Tag erst um kurz nach 09:00 Uhr begonnen. Nach dem Frühstück fahren wir kurz entschlossen in einen Park in der Nähe Beruwelas: den Brief Garden.

Diese ehemalige Kautschukplantage wurde 1929 von Bevis Bawa, dem Bruder des bekannteren singhalesischen Architekten Geoffrey Bawa gekauft. Finanziert hat sich der gute Mann diese Extravaganz mit einer Erbschaft, die dem Park auch seinen Namen gab.

Nach dem Erwerb hat der Architekt das Grundstück in einen verwunschenen Garten verwandelt und nach seinem Tod 1992 die Anlage seinen Angestellten vermacht, die das Gut bis heute verwalten.

Wir lassen uns, wie immer, von Jayasiri in dessen mittlerweile schon alt bekannten Tuk Tuk zum Brief Garden fahren.

Auf dem Weg dorthin hat mein Mann seine erste Fahrstunde im Steuern des dreirädrigen Gefährts. Die Motorradkupplung ist für ihn ungewohnt, aber  nach ein paar Versuchen, die der Motor des landestypischen Vehikels mit zetern quittiert, hat er den Bogen raus und das Schalten klappt passabel, wenn auch hörbar.

Auch der Linksverkehr ist ungewohnt, aber wir schaffen es sogar unbehelligt an ein paar Polizisten vorbei, die am Straßenrand kontrollieren.





Auf einer kleinen und holprigen Seitenstraße bleibt mir dann aber doch fast das Herz stehen, als meine derzeit etwas rumpelige besser Hälfte mit uns fast einen Ausflug in den Straßengraben macht. Da hat er wohl die seitlichen Abmessungen nicht ganz bedacht. In einem Auto ist schließlich links vom Fahrer nicht mehr besonders viel, beim Tuk Tuk sitzt links hinter meinem Mann ein etwas durchgeschüttelter Jayasiri, der noch einmal erschrocken in den Graben schaut, den wir beinahe aus der Nähe begutachtet hätten.

Nach diesem kleinen Schrecken, überlasst Til das fahren dann auch wieder den Profis und wir tuckern weiter Richtung Park.

Er liegt gut versteckt und völlig unbeschildert außerhalb Beruwelas, so dass wir ihn auf eigene Faust niemals hätten finden können. Wir fahren das erste Mal über grüne Felder auf das Land hinaus und sind sprichwörtlich da angekommen, wo der Pfeffer wächst.






Wie alle größeren Touristenattraktionen kostet auch der Besuch des Brief Garden Eintritt, in diesem Fall 1.000 LKR, was in etwa 6,- € entspricht.

Wir lassen uns auf den verschlungenen Pfaden durch den Garten treiben. Überall laden schattige Plätzchen mit Bänken und teilweise sehr skurrilen Skulpturen zum Verweilen ein.






Die zahlreichen blühenden Pflanzen erwecken den Eindruck, als sei man im biblischen Paradies gestrandet, nur die Apfelbäume fehlen.





Wir lassen uns viel Zeit und erkunden sorgsam jeden noch so kleinen Weg durch die ehemalige Kautschukplantage.








Nachdem wir sorgfältig jede Abzweigung erkunden haben, lassen wir uns zum Wohnsitz von Bewis Bawa treiben. Zahlreiche von befreundeten Künstlern gestaltete Skulpturen nackter Jünglinge fallen uns ins Auge sowie eine Wand, die mit Hilfe leerer Weinflaschen erbaut wurde. Doch auch die Hand des Hauseigentümers hat einige Skulpturen geschaffen.



Das Innere des Hauses wird uns von einem älteren, etwas hochmütig wirkenden Singhalesen gezeigt, der vermutlich ein alter Bediensteter des verstorbenen Künstlers ist.

Noch mehr Zeichnungen und Karikaturen von spärlich, oder gar nicht, bekleideten Männern bestätigen unseren bereits gehegten Verdacht bezüglich der sexuellen Orientierung des "Bachelors" von einst. Des "größten Mannes von Sri Lanka", mit seinen etwas mehr als 1,90 Metern.

Der Hinweis, die Bücher, in der raumhohen und gut gefüllten Schrankwand habe der Meister alle gelesen, lässt uns schmunzeln. Besteht die "Bibliothek" doch aus einem wilden Sammelsurium von Readers Digest-Ausgaben, Klassikern, Abenteuerromanen und etwas religiöser Literatur - wahrlich eine stolze Bibliothek.

Mehrere Kunstwerke befreundeter Künstler werden von der Aussage begleitet "Er wollte kommen für vier Wochen und ist geblieben sechs Jahre!" und lässt uns wieder heimlich lächeln.




Ein Buch mit den gesammelten Meisterwerken aus de Feder des Bevis Bawa lässt dessen gesundes Selbstbewusstsein und ausgeprägtes Ego erkennen.

Aber was man auch über den Charakter des Landschaftsgärtners, Künstlers, Bildhauers, Malers, Schriftstellers und Autodidakten im Kreise seiner zahlreichen Schönlinge auch denken mag, er wusste gut zu leben. Das erkennt man vor allem auch an dem schönen Ausblick, den man, mit einer Tasse Tee in der Hand, von der Terrasse aus genießen kann.


Nach dem Ausflug in das tropische Paradies und dem Besuch der exotischen Villa, kehren wir in unser gemütliches Heim zurück, um uns den Rest des Tages in der Sonne zu räkeln.

Dienstag, 19. August 2014

12.08.2014 - Ayurvedische Massage

Der Nachmittag steht ganz im Zeichen der Ruhe und Entspannung.

Von der vielen Sonne müde geworden, halte ich ein kleines Mittagsschläfchen, aus dem ich von meinem Mann geweckt werde, weil unser ayurvedischer Masseur eingetroffen ist. Da steht man doch gern auf!

Auf unserer Terasse unter Palmen werden wir von fachkundigen Händen gründlich durchgewalkt. Der Masseur verwendet gut, wenn auch ungewohnt riechendes, selbst hergestelltes Massageöl.


Nach je über einer Stunde dieser Zuwendung für wir uns beide, als flössen unsere Körper von der Massageliege auf den nächstgelegenen Stuhl.

Nachdem wir am Abend noch ein paar Kleinigkeiten im hiesigen, überschaubar ausgestatteten Supermarkt eingekauft haben, wartet die letzte große Überraschung des Tages auf uns: unsere Gastgeberin hat für uns einen wunderbaren Fisch in der Pfanne zubereitet.


Als Beilage werden uns ein europäisch angehauchtes Buttergemüse mit Kartoffeln, Möhren und Bohnen sowie ein Tomatensalat gereicht, wie wir ihn noch nie gegessen haben. Ist er doch mit Zwiebeln und Vanillejoghurt angemacht und schmeckt unerwartet köstlich. Wir sind bei jedem Bissen aufs Neue überrascht, über diese fruchtigsüße Variante.

Der Obstsalat,d er zum Nachtisch serviert wird, ist absolut einmalig. Wir rätseln über die Früchte und Gewürze, die diesen Geschmack zaubern und sind sprachlos, als wir erfahren, dass wir lediglich klein geschnittene Bananen, Ananas, Papaya und Mango in unseren Schüsseln haben. Und zwar ganz ohne Gewürze!

Nach diesem schmackhaften Ausklang eines rundum gelungenen Tages sinken wir glücklich und müde in unsere Kissen.

Morgen wartet der "Brief Garden" auf uns.

Montag, 18. August 2014

12.08.2014 - Über Sri Lankas Fluss, den Bentota Ganga

Um 08:00 Uhr morgens reißt uns das Getöse eines sintflutartigen Regenschauers aus den Träumen und wir sehen unsere Flussexpedition schon ins Wasser fallen. Nach einer halben Stunde ist der Spuk jedoch vorbei und die Sonne strahlt aus einem blauen Tropenhimmel.

Es ist August und damit Regenzeit auf Sri Lanka.

Wir genießen diesen Urlaub in der Regensaison. Es gibt zur Zeit kaum Touristen und die Regenfälle sind zwar beeindruckend, aber so kurz, dass sie unsere Ausflugspläne bisher nicht beeinflusst haben. Zudem kühlt es nach einem solchen Guss immer so schön ab.

Nach einem ausgiebigen Früchte-Frühstück machen wir uns also um 09:00 Uhr zusammen mit der guten Seele dieses Urlaubs, Jayasiri, auf den Weg hinunter zum Fluss.

Drei Stunden Erkundungstour für insgesamt 3.500,- LKR sind umgerechnet ca. 10,- € pro Person und jeden Cent wert.

Unser Bootsführer ist ein netter junger Singhalese, der halbwegs gut Deutsch spricht, sehr viel erklärt und ein bemerkenswertes Auge hat, wenn es darum geht, Tiere in Wasser, Blatt- und Strauchwerk aufzuspüren. Unsere uneingeschränkte Bewunderung erwirbt er sich, als er im Vorbeifahren in einem Baum aus ca. 15 Meter Entfernung eine grüne Schlange entdeckt. Wir machen das Tier auch nach eifrigem Zeiten und Deuten erst nach mehreren Minuten ausfindig.

Vielleicht habt ihr ja mehr Glück und könnt sie auf dem Bild gleich erkennen:


Generell haben wir einen guten Tag erwischt, da sich zahlreiche Bewohner des Tierreiches nach dem kürzlichen Regen nun genussvoll in der Sonne aalen und sich von uns fotografieren lassen.








Am häufigsten stoßen wir auf Warane, die hier so üblich zu sein scheinen, wie Enten auf unseren Gewässern. Wir müssen lachen, als wir uns vorstellen, wie wir wohl für die Einheimischen aussehen: da kommen bleiche, unbeholfene Europäer auf den Fluss, um eifrig Fotos von jedem Waran und sich regenden Tier zu machen, dass ihnen vor die Linse kommt. Wir denken, dass wäre ungefähr so, als kämen Singhalesen zu uns um begeistert jede Ente abzulichten, die auf unseren Seen dümpeln - eine wirklich witzige Vorstellung.

So fahren wir also in dem kleinen Motorboot durch die Mangrovenwälder.










Was wir auf den Bilder verschweigen: es herrscht reger Verkehr auf dem Fluss. Zahlreiche baugleiche Boote fahren, mit arabischen und europäischen Passagieren an Bord, die Gewässer entlang, bis die Luft schwer ist, vom Abgasgeruch der Motoren.

Wie gut, dass in der Nebensaison so wenig los ist. In der Hauptreisezeit muss es hier zugehen wie bei uns auf der heimischen A3!

Irgendwann fragt unser Tourbegleiter, ob wir gern ein kleines Krokodil sehen würden und wir sagen "ja", bevor wir verstehen, was er uns da genau anbietet. Da haben wir aber auch schon einen verfallenen Steg in mitten der Mangroven angesteuert, auf dem ein älterer Mann mit einem Pappkarton sitzt.

Ehe ich mich versehe, habe ich das arme Tierchen auch schon in der Hand.


Es ist solcherlei zweifelhafte Zuwendung eindeutig gewohnt und lässt sich stoisch den Kiefer auseinander drücken, damit wir seine Zähnchen bewundern können. Erschrocken schiebe ich den kleinen Kerl aus der Reichweite drückender Hände.

Die Haut des kleinen Krokodils fühlt sich an, wie ein warmer, trockener Gummistiefel. Als ich das Tierchen seinem Besitzer zurück gebe, habe ich ein furchtbar schlechtes Gewissen. Natürlich müssen wir ein paar Rupien bezahlen, dafür, dass wir das Krokodil streicheln und fotografieren durften und ich ärgere mich, dass ich so eine Tierquälerei unterstützt habe.

Hoffentlich bekommt das Kerlchen wenigstens genug zu fressen. Aber geschehen ist geschehen.

Hinter uns legt eine arabische Reisegruppe am Steg an und die hübschen, verschleierten Damen schreien und kreischen schrill, als ihnen das Krokodil entgegen gehalten wird. Ich schüttle mitleidig den Kopf - das arme Tier.

Die Flussfahrt hat für mich etwas von ihrer Unbeschwertheit verloren. Trotzdem erwartet uns noch ein kleines Highlight, als wir aus dem Seitenarm auf den Bentota Ganga fahren.

Ein Lufttaxi in Form eines Wasserflugzeugs bringt Gäste aus Colombo und wir sind bei der Landung hautnah dabei.




Unsere Fahrt endet am Strand von Beruwela, den wir entlang laufen, bis kurz vor unsere Haustür.

In unserem Apartment angekommen, steht auch schon das unvergleichliche singhalesische Curry der Dame des Hauses auf dem Tisch.

Welch ein aufregender Vormittag!